Sa. Jul 31st, 2021

Das Interview entstand, als Frau Schubert-Thiele das Amt der stellvertretenden Schulleiterin ausübte. Nachdem Herr Eysholdt Anfang des Jahres in die Ausgleichsphase seines Arbeitszeitkontos entlassen worden ist, agiert Frau Schubert-Thiele nun vorübergehend als kommissarische Schulleitung. 

Jule: Hallo Frau Schubert – Thiele, für alle die Sie noch nicht kennen sollten, haben wir ein paar Fragen vorbereitet. Seit wann sind Sie an unserer Schule und wie gefällt es Ihnen bisher?

Schubert – Thiele: Hallo. Offiziell bin ich seit Anfang des Schuljahres am Gymnasium Süd, habe aber tatsächlich schon in den Sommerferien heimlich angefangen mit am Stundenplan zu basteln, um möglichst gut reinzukommen und ich finde es ist eine sehr angenehme Schule. Als ich meine alte Schule verlassen habe, hatte ich ein weinendes Auge, weil ich mich dort sehr wohlgefühlt habe, aber ich muss sagen, hier habe ich es mindestens genauso gut getroffen mit sehr netten, unterstützenden Kolleg*innen und kooperativen Schüler*innen.

Jule: Es ist schön zu hören, dass es Ihnen so gut an unserer Schule gefällt. Gerade haben Sie schon erwähnt, dass Sie zuvor auch schon an einer anderen Schule gearbeitet haben. Ist Ihre jetzige Arbeit ähnlich zu Ihrer vorherigen oder ist der Job der stellvertretenden Schulleiterin etwas ganz neues für Sie? 

S.T: Die Position der stellvertretenden Schulleitung ist ganz neu für mich. Lehrkraft bin ich bereits seit 1988. In Hamburg habe ich mein Referendariat absolviert und bin dann an ein evangelisches Gymnasium in Nordrhein-Westfahlen gewechselt, da es im Norden keine freie Stelle gab. Dort habe ich ein Jahr unterrichtet. Doch ich muss zugeben, dass ich typisch norddeutsch bin und nach einiger Zeit einfach die Küste und das Meer vermisst habe. Daraufhin habe ich ein freies Stellenangebot am Gymnasium Hamburg-Altona angenommen. An dieser Schule habe ich dann vier Jahre unterrichtet. Nach einem Jahr Erziehungsurlaub wechselte ich an das Gymnasium Finkenwerder und 2001 dann schließlich in den niedersächsischen Schuldienst an das Gymnasium Neu Wulmstorf. Seit Anfang des Schuljahres bin ich an eurer Schule. 

Jule: Was hat Sie denn dazu gebracht Lehrerin zu werden? Welche Motivation steckte dahinter?

S.T: Das ist eine gute Frage. Ich glaube das liegt ganz weit bis in meine Kindheit zurück.

Jule: War es quasi schon immer so eine Art „Kindheitswunsch“ von Ihnen Lehrerin zu werden? 

S.T: Nicht unbedingt Lehrerin, aber der Wunsch mit Menschen zu arbeiten. Diese Begeisterung, die man selber für etwas entwickelt, weiter zu geben. Schon als Kind war ich immer so ein Knobelaufgaben-Knacker. Besonders Spaß gemacht haben mir die Naturwissenschaften. Ich wollte beruflich in diese Richtung gehen, aber meine Arbeitszeit nicht nur im Labor verbringen.

Jule: Für welche Fächer haben Sie sich im Endeffekt entschieden?

S.T: Nun unterrichte ich Mathe und Chemie.

Jule: Und wenn Sie gerade nicht unterrichten, was sind dann Ihre Aufgaben als stellvertretende Schulleiterin? 

S.T: Natürlich muss ich mich erst mal in die ganzen Aufgaben einer stellvertretenden Schulleiterin einarbeiten. Dazu gehören eine Menge administrative Tätigkeiten. Dementsprechend unterrichte ich etwas weniger Stunden. Bisher war eine meiner Hauptaufgaben den Vertretungsplan zu erstellen, sodass alle Klassen gut versorgt sind.

Jule: Das hört sich nach Stress an, wenn man das alles morgens vor dem Unterricht erledigen muss

S.T; Ja das ist stressig, weil man morgens extrem unter Zeitdruck steht, vor allem wenn sich viele Lehrer*innen krank melden. Ansonsten mache ich den Stundenplan. Meine juristische Aufgabe liegt darin, den Schulleiter in seiner Abwesenheit zu vertreten. Im Normalfall gibt es eine Aufgabenteilung innerhalb der Schulleitung, wie Aufsichtspläne erstellen, Arbeitszeitkonten der Lehrer führen, Konferenzen leiten, wie z.B. Zeugniskonferenzen, Unterrichtsbesuche machen, usw.

Jule: Die Arbeit setzt sich also sehr stark aus administrativen Aufgaben zusammen, die eher im Hintergrund ablaufen und die wir als Schüler*innen gar nicht so direkt mitbekommen.

S.T: Ja, gerade in Zeiten von Corona kommt viel Arbeit hinzu. Es kommen Berge von Erlassen, die sich natürlich nicht jeder einzeln durchlesen kann. Wir setzten uns zusammen und müssen die neuen Verordnungen durcharbeiten und zusammenfassen, sodass es auf maximal zwei Seiten reduziert und leicht verständlich für alle ist.

Jule: Schon eine ganze Menge Arbeit, die da zusammenkommt. Auch wenn Sie noch nicht so lange an unserer Schule sind, ist Ihnen trotzdem schon etwas aufgefallen, was Sie verändern möchten oder wo Sie Verbesserungsbedarf sehen?  

S.T: Im Moment lerne ich die Schule erst mal richtig kennen. Ich bin nicht der Typ, der mit der Tür ins Haus fällt, sondern der erst mal genau guckt und sich Gedanken macht, ob und wie etwas verbessert werden könnte. Aber was mir auf jedem Fall sehr am Herzen liegt ist die Schulentwicklung, die auch zu meinem Aufgabenbereich gehört. Als ich im Leitbild gelesen habe „Schule in Bewegung“ fand ich das toll. Mir ist wichtig, dass Schule lebt und sich in vielen Dingen weiterentwickeln und verbessern kann, sodass es ein fortlaufender Prozess ist. Deshalb habe ich auch gleich eine Umfrage bei den Schüler*innen und Eltern über den digitalen Unterricht gestartet.

Jule: Meinen Sie die Umfrage auf IServ?

S.T:  Ja genau, die meinte ich. Das ist eine enorme Erfahrung, aus der wir künftig lernen können, damit es uns allen mit dem digitalen Lernen besser geht, falls wir wieder ins Distanzlernen zurückkehren müssen. Diese Bewegung versuche ich voran zu bringen und für die Zukunft nutzbar zu machen. Digitalisierung ist ein wichtiger Punkt, der unbedingt in der Schulentwicklung vorangetrieben werden muss. Bisher liegen wir in diesem Punkt zwar noch etwas zurück, aber sind auf dem besten Weg dort hin. Gerade haben wir zum Beispiel ein Smart Bord in Testung. Eigentlich stelle ich mir vor ein solches Bord bald in jedem Klassenraum zu haben. 

Jule: Wie muss ich mir dieses Smart Bord denn vorstellen?

S.T: Das sind sehr große interaktive Tafeln. Damit kann der Unterricht erheblich vereinfacht werden, da beispielsweise die Unterrichtsvorbereitung von zu Hause im Klassenraum abrufbar ist. Das ist natürlich nicht nur eine Erleichterung für den Unterricht, sondern auch einfach zeitgemäß. Der Umgang mit digitalen Medien gehört in der heutigen Gesellschaft dazu. Dem gegenüber sollte sich zum Wohl der Schüler*innen nicht verschlossen werden. In der Hinsicht passiert gerade sehr viel an unserer Schule. Es wird eine schulinterne Lehrerfortbildung geben, in der wir selber solche Konzepte erarbeiten. 

Jule: Das wird die Schüler*innen sicherlich erfreuen. 

S.T: Das wird uns sicher alle freuen. Dieser Prozess läuft schon länger an eurer Schule und ich unterstütze ihn selbstverständlich. Aber auch die Schulkultur ist ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Schullebens, den ich bisher noch nicht vollständig beurteilen kann, aufgrund der vielen Corona bedingten Einschränkungen. Wir sind eine große Gemeinschaft und ich finde es sollte spürbar sein, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen und zusammen etwas erschaffen. Jetzt müssen wir sehen, was in der Coronazeit weitergeführt werden kann.

Jule: Für die Kommunikation miteinander ist die Schülerzeitung ein wichtiger Aspekt. 

S.T: Das finde ich toll, wenn diese Möglichkeit genutzt werden würde. Ich versuche jetzt eine Art Schulentwicklungsgruppe mit Eltern, Schüler*innen und Kolleg*innen zu initiieren, damit wir verschiedene Ideen sammeln können. Dieser Prozess ist sehr zeitintensiv. Es wäre schön, wenn es Projekte gäbe, bei denen man weiß, dass sie jedes Jahr laufen und an denen man sich orientieren kann. 

Jule: Das hört sich schon mal nach Tatendrang an. Ich bin gespannt welche Projekte in Zukunft an der Schule umgesetzt werden. Damit sind wir schon am Ende des Interviews angelangt. Ich danke Ihnen, dass Sie sich für unser Gespräch Zeit genommen haben.

S.T.: Ja sehr gerne, ich danke ebenso für deine Zeit und das Interview. 

Von Jule H.